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Meine sehr verehrten Damen und
Herren,
Der Austausch zwischen der
Islamischen Republik Iran und der Bundesrepublik Deutschland im
politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich ist ein aktiver,
sogar aktiver als der Austausch mit anderen europäischen Ländern. Aber die
Beziehung, die durch die Bemühungen unserer Freunde in der
Königin-Luise-Stiftung in den letzten Jahren aufgebaut worden ist, weist
eine besondere Nähe und Freundschaftlichkeit auf und ist zugleich insofern
wichtig, weil sie ein gutes Vorbild ist für eine erfolgreiche
Eigeninitiative zwischen den beiden Völkern. Die Hauptakteure sind
Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer als Vertreter derjenigen
Gesellschaftsschichten, die die Gesamtgesellschaft entscheidend prägen
können.
Die gegenseitigen Kontakte
dieser beiden Gesellschaftsschichten führen zu Kontakten zwischen den
beiden Gesellschaften, infolgedessen auch Politiker und
Wirtschaftsdirektoren offizielle Kontakte auf dieser Basis knüpfen und
pflegen; ein solches Verhältnis wird ein solides sein, unbeeindruckt von
jeglichem Druck und sonstigen Schikanen der Gegner guter Beziehungen der
beiden Völker.
Eine solche Beziehung ist vom
Wesen her anders gestaltet als die Beziehungen, die durch den Willen einer
Gruppe von Politikern zustande kommen, bei denen die jeweiligen Völker
keine besondere Rolle spielen. Dies führt dazu, dass durch den Wechsel der
Regierungen und der politischen Kurse auch die Beziehungen erheblichen
Schwankungen ausgesetzt werden.
Die Beziehungen zwischen Iran
und Deutschland sind ungefähr 500 Jahre alt, begleitet von ständiger
positiver Einstellung der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten der
beiden Völker. Deutschland hat in den vergangenen 5 Jahrhunderten im
Gegensatz zu vielen anderen westlichen Ländern keinerlei kolonialistische
und politische Ziele in Iran verfolgt. Vor allem im vergangenen
Jahrhundert haben die Deutschen durch die Präsenz ihrer Wirtschaft und
Wissenschaftler einen aktiven Beitrag zur wirtschaftlichen und technischen
Entwicklung Irans geleistet. Dadurch genießt Deutschland ein hohes Ansehen
beim iranischen Volk. Die Deutschen haben ihrerseits stets das Land Iran
als Wiege der menschlichen Zivilisation und das iranische Volk als
Bewahrer erhabener Kultur und Kunst und als Vorbild der Gastfreundschaft
betrachtet. Das deutsche Volk und die deutschen Politiker halten Iran für
ein sehr wichtiges Land, das im Vergleich zu den anderen Ländern des Nahen
Ostens sowie Zentral- und Westasiens mehr politischen Einfluss hat und
eine inspirierende Rolle in der Region und vor allem in der islamischen
Welt spielt.
Das iranische und das deutsche
Volk halten die menschlichen Faktoren für sehr wichtig, was zur
kulturellen Verständigung als eine solide Basis für Beziehungen führt.
Die Iraner respektieren die
Deutschen nicht nur wegen der guten Qualität ihrer Produkte, sondern unter
anderem auch deswegen, weil die meisten wichtigen Werke deutscher
Philosophen – wie Goethe, Kant, Hegel, Schleiermacher, Weber, Vertreter
der Frankfurter Schule, usw. – ins Persische übersetzt worden sind. Diese
Werke werden gern gelesen.
Der Respekt der Deutschen uns
gegenüber ist nicht nur auf das alte persische Reich und die
postislamische Zeit zurückzuführen, sondern auch darauf, dass große Denker
wie Goethe – und nicht etwa politische Führer und Diplomaten des
Auswärtigen Amtes oder Wirtschaftsunternehmen – den Deutschen die
Gedanken und die Poesie von Hafis nahe gebracht haben.
Das Ziel der Zusammenarbeit
zwischen der Königin-Luise-Stiftung und den Kultur- Bildungs- und
Erziehungseinrichtungen unseres Landes ist die Vertiefung dieses Respekts
gegenüber der Kultur des Anderen. Wenn eine Kinder- und
Jugendtheatergruppe aus Isfahan nach Berlin kommt und in dieser Schule
eine Vorstellung gibt, wenn – wie vor einigen Jahren – ein Musikensemble
aus Iran in dieser Schule ein Konzert gibt, wenn iranische und deutsche
Schüler sich gegenseitig in ihrem jeweiligen Zuhause besuchen oder
iranische und deutsche Lehrer sich versammeln, um ihre gegenseitigen
Ansichten in punkto Erziehung kennen zu lernen, so geschieht dies alles
mit dem Ziel, Iraner und Deutsche dazu zu bewegen, die menschlichen
Vorzüge des Anderen zu respektieren. In einer Welt, in der die Menschen
wegen sozialer Ungerechtigkeit, wirtschaftlicher Benachteiligung,
politischer Arroganz und unwahrer Berichterstattung der Medien einander
gegenüber misstrauisch werden und sich voneinander fernhalten und dies den
Frieden und Fortschritt gefährdet, ist jede Bemühung um die Annäherung der
Gesellschaften aneinander lobenswert.
Dies ist jedoch durch höhere
Bildung für alle Schichten des Volkes und durch Gespräche miteinander
möglich; es ist nur möglich, wenn hochrangige Politiker und
Wirtschaftsfunktionäre es aufgeben, ausschließlich mit bestimmten
Gesprächspartnern zu verhandeln. Wenn hochrangige Persönlichkeiten aus
Politik, Wirtschaft und auch Medien das Interesse und den Respekt des
Volkes einer Gesellschaft gegenüber einer anderen Gesellschaft sehen,
müssen sie es aufgeben, einander zu beleidigen, zu belügen und zu
betrügen. Dann kann man einem anderen Land unter dem Vorwand politischer
Meinungsverschiedenheiten keine falschen Vorwürfe mehr machen. Darum
wenden sich die Mächtigen gegen alle Bemühungen, die das Ziel haben, die
Menschen einander anzunähern. Die falschen Meldungen über die
Veranstaltung dieser Konferenz sind ein Beispiel dafür.
Da diese Konferenz von
Lehrerinnen und Lehrern beider Länder veranstaltet wird, halte ich es
abschließend für nützlich, Ihnen, verehrte Anwesende, die Ansicht der
Iraner über den Lehrer – über denjenigen, der Wissen vermittelt – zu
erläutern, die ihrer Religion entstammt.
Der Prophet des Islam sagt:
„Wer nach Wissen strebt, den
wird Gott zum Paradies führen. Engel und Menschen werden für denjenigen,
der sich um Wissen bemüht, um Vergebung bitten.“
„Der Wissende ist besser als
der Fromme, ebenso wie Vollmond besser als die Sterne ist.“
„Die Gelehrten sind die Erben
der Propheten, denn die Propheten hinterlassen nicht Geld und Gold,
sondern Wissen, und jeder, der ihr Wissen nutzt, hat einen großen Gewinn
gemacht.“
Imam Ali überliefert einen
Ausspruch von Jesus Christus:
„Wahrlich, die besten Diener
sind die Gelehrten. Verhaltet Euch nach mir gegenüber den Gelehrten und
anderen Menschen demütig. Das Gebäude des Wissens und der Weisheit wird
auf Demut, nicht auf Hochmut, gebaut.“
Abschließend möchte ich Herrn
und Frau Grüter für ihre jahrelangen freundlichen Bemühungen danken. Ich
bedanke mich auch bei Herrn Olie, dem Direktor der Schule der
Königin-Luise-Stiftung, für seine Bemühungen, den Gegnern Menschlichkeit
und Freundschaft zu lehren, wie auch Jesus Christus und Prophet Mohammad
(Friede sei mit ihnen) es gelehrt haben. Ich danke dem Auswärtigen Amt und
der Deutschen Botschaft in Teheran, die dabei behilflich waren, dieses
Programm zu veranstalten.
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