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Botschaft der Islamischen Republik Iran - Berlin

Grußwort von Herrn Botschafter Sheikh Attar bei der Eröffnung der Deutsch-Iranischen Lehrerkonferenz

(16.11.2009) 

„Kulturelle und zwischenmenschliche Kontakte als eine solide Basis für politische und wirtschaftliche Beziehungen“

  

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

Der Austausch zwischen der Islamischen Republik Iran und der Bundesrepublik Deutschland im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich ist ein aktiver, sogar aktiver als der Austausch mit anderen europäischen Ländern. Aber die Beziehung, die durch die Bemühungen unserer Freunde in der Königin-Luise-Stiftung in den letzten Jahren aufgebaut worden ist, weist eine besondere Nähe und Freundschaftlichkeit auf und ist zugleich insofern wichtig, weil sie ein gutes Vorbild ist für eine erfolgreiche Eigeninitiative zwischen den beiden Völkern. Die Hauptakteure sind Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer als Vertreter derjenigen Gesellschaftsschichten, die die Gesamtgesellschaft entscheidend prägen können.

 

Die gegenseitigen Kontakte dieser beiden Gesellschaftsschichten führen zu Kontakten zwischen den beiden Gesellschaften, infolgedessen auch Politiker und Wirtschaftsdirektoren offizielle Kontakte auf dieser Basis knüpfen und pflegen; ein solches Verhältnis wird ein solides sein, unbeeindruckt von jeglichem Druck und sonstigen Schikanen der Gegner guter Beziehungen der beiden Völker.

 

Eine solche Beziehung ist vom Wesen her anders gestaltet als die Beziehungen, die durch den Willen einer Gruppe von Politikern zustande kommen, bei denen die jeweiligen Völker keine besondere Rolle spielen. Dies führt dazu, dass durch den Wechsel der Regierungen und der politischen Kurse auch die Beziehungen erheblichen Schwankungen ausgesetzt werden.

 

Die Beziehungen zwischen Iran und Deutschland sind ungefähr 500 Jahre alt, begleitet von ständiger positiver Einstellung der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten der beiden Völker. Deutschland hat in den vergangenen 5 Jahrhunderten im Gegensatz zu vielen anderen westlichen Ländern keinerlei kolonialistische und politische Ziele in Iran verfolgt. Vor allem im vergangenen Jahrhundert haben die Deutschen durch die Präsenz ihrer Wirtschaft und Wissenschaftler einen aktiven Beitrag zur wirtschaftlichen und technischen Entwicklung Irans geleistet. Dadurch genießt Deutschland ein hohes Ansehen beim iranischen Volk. Die Deutschen haben ihrerseits stets das Land Iran als Wiege der menschlichen Zivilisation und das iranische Volk als Bewahrer erhabener Kultur und Kunst und als Vorbild der Gastfreundschaft betrachtet. Das deutsche Volk und die deutschen Politiker halten Iran für ein sehr wichtiges Land, das im Vergleich zu den anderen Ländern des Nahen Ostens sowie Zentral- und Westasiens mehr politischen Einfluss hat und eine inspirierende Rolle in der Region und vor allem in der islamischen Welt spielt.

 

Das iranische und das deutsche Volk halten die menschlichen Faktoren für sehr wichtig, was zur kulturellen Verständigung als eine solide Basis für Beziehungen führt.

 

Die Iraner respektieren die Deutschen nicht nur wegen der guten Qualität ihrer Produkte, sondern unter anderem auch deswegen, weil die meisten wichtigen Werke deutscher Philosophen – wie Goethe, Kant, Hegel, Schleiermacher, Weber, Vertreter der Frankfurter Schule, usw. – ins Persische übersetzt worden sind. Diese Werke werden gern gelesen.

 

Der Respekt der Deutschen uns gegenüber ist nicht nur auf das alte persische Reich und die postislamische Zeit zurückzuführen, sondern auch darauf, dass große Denker wie Goethe – und nicht etwa politische Führer und Diplomaten des Auswärtigen Amtes oder Wirtschaftsunternehmen –  den Deutschen die Gedanken und die Poesie von Hafis nahe gebracht haben.

 

Das Ziel der Zusammenarbeit  zwischen der Königin-Luise-Stiftung und den Kultur- Bildungs- und Erziehungseinrichtungen unseres Landes ist die Vertiefung dieses Respekts gegenüber der Kultur des Anderen. Wenn eine Kinder- und Jugendtheatergruppe aus Isfahan nach Berlin kommt und in dieser Schule eine Vorstellung gibt, wenn – wie vor einigen Jahren –  ein Musikensemble aus Iran in dieser Schule ein Konzert gibt, wenn iranische und deutsche Schüler sich gegenseitig in ihrem jeweiligen Zuhause besuchen oder iranische und deutsche Lehrer sich versammeln, um ihre gegenseitigen Ansichten in punkto Erziehung kennen zu lernen, so geschieht dies alles mit dem Ziel, Iraner und Deutsche dazu zu bewegen, die menschlichen Vorzüge des Anderen zu respektieren. In einer Welt, in der die Menschen wegen sozialer Ungerechtigkeit, wirtschaftlicher Benachteiligung, politischer Arroganz und unwahrer Berichterstattung der Medien einander gegenüber misstrauisch werden und sich voneinander fernhalten und dies den Frieden und Fortschritt gefährdet, ist jede Bemühung um die Annäherung der Gesellschaften aneinander lobenswert.

 

Dies ist jedoch durch höhere Bildung für alle Schichten des Volkes und durch Gespräche miteinander möglich; es ist nur möglich, wenn hochrangige Politiker und Wirtschaftsfunktionäre es aufgeben, ausschließlich mit bestimmten Gesprächspartnern zu verhandeln. Wenn hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und auch Medien das Interesse und den Respekt des Volkes einer Gesellschaft gegenüber einer anderen Gesellschaft sehen, müssen sie es aufgeben, einander zu beleidigen, zu belügen und zu betrügen. Dann kann man einem anderen Land unter dem Vorwand politischer Meinungsverschiedenheiten keine falschen Vorwürfe mehr machen. Darum wenden sich die Mächtigen gegen alle Bemühungen, die das Ziel haben, die Menschen einander anzunähern. Die falschen Meldungen über die Veranstaltung dieser Konferenz sind ein Beispiel dafür.

 

Da diese Konferenz von Lehrerinnen und Lehrern beider Länder veranstaltet wird, halte ich es abschließend für nützlich, Ihnen, verehrte Anwesende, die Ansicht der Iraner über den Lehrer – über denjenigen, der Wissen vermittelt – zu erläutern, die ihrer Religion entstammt.

 

Der Prophet des Islam sagt:

 „Wer nach Wissen strebt, den wird Gott zum Paradies führen. Engel und Menschen werden für denjenigen, der sich um Wissen bemüht, um Vergebung bitten.“

 „Der Wissende ist besser als der Fromme, ebenso wie Vollmond besser als die Sterne ist.“

 „Die Gelehrten sind die Erben der Propheten, denn die Propheten hinterlassen nicht Geld und Gold, sondern Wissen, und jeder, der ihr Wissen nutzt, hat einen großen Gewinn gemacht.“

 

Imam Ali überliefert einen Ausspruch von Jesus Christus:

 „Wahrlich, die besten Diener sind die Gelehrten. Verhaltet Euch nach mir gegenüber den Gelehrten und anderen Menschen demütig. Das Gebäude des Wissens und der Weisheit wird auf Demut, nicht auf Hochmut, gebaut.“

 

Abschließend möchte ich Herrn und Frau Grüter für ihre jahrelangen freundlichen Bemühungen danken. Ich bedanke mich auch bei Herrn Olie, dem Direktor der Schule der Königin-Luise-Stiftung, für seine Bemühungen, den Gegnern Menschlichkeit und Freundschaft zu lehren, wie auch Jesus Christus und Prophet Mohammad (Friede sei mit ihnen) es gelehrt haben. Ich danke dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft in Teheran, die dabei behilflich waren, dieses Programm zu veranstalten.